Verrenberg Historisch

Haus Nr. 64 in Verrenberg (An der Steige 3)


Aufnahme von 1962 aus Richtung Golberg

Aufnahme vermutlich aus den 1930er Jahren

Aufnahme vermutlich aus den 1940er Jahren

Aufnahme vermutlich aus den 1970er Jahren

Aufnahme von 2005
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 64
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1839; Haus Nr. 64
Urkataster von 1839

Lage des Haus im Ort


Die Bewohner



Im Lagerbuch von 1628 wird Martin Eberlin als Besitzer eines neuen "Häuslein, unden bey dem newen [= neuen] Brunnen, zwischen Jacob Schanzenbachs Wittib und gemeiner Weeg uff drey Seiten,"
1886 wird ein Brunnen vor dem Haus Nr.64 erwähnt. Ist dieser gemeint?


Im Lagerbuch von 1684 wird die Lage eines öden Hausplatzes eines Balthar Schön so beschrieben:
"zw Hans Conradt [Haus 60] einerseits und Michel Scheufler [Haus 63] oben und unten gemeiner Weg". Damit dürfte dieser Platz gemeint sein, auf dem später das Haus Nr.64 entstand.
In Verrenberg ist nur ein Balthar Schön bekannt. Dieser wäre dann aber schon über 100 Jahre alt gewesen sein.

Vermutlich 1794 kaufte Johann Michael Zöller dieses Gut, nachdem er wegen Überschuldung den Hof Nr.17 verkaufen musste.


Gründung der Schäfereigesellschaft in Verrenberg - 1801
Mit dem Kauf der Schäfereigerechtsame des herrschaftlichen Hofs Schwöllbronn durch die Gemeinden Schwöllbronn, Unterohrn und Verrenberg, kam es in Verrenberg zur Gründung der Schäfereigesellschaft.
Verrenberg hatte 120 Schafe erkauft, die aufgeteilt in drei Klassen auf 70 Verrenberger aufgeteilt wurden.
Johann Michael Zöller war in der 1.Klasse. Damit konnte er 3 der 120 erkauften Antheile in Anspruch nehmen. Dazu kam ein Beischlag von 4 Schafen. Damit konnte er 7 Schafe halten.
Diese Schäferei Anteile sollte ursprünglich auf Hof und Gut gebunden sein. Das wäre in seinem Fall das Haus Nr.39.
Diese Bindung wurde aber im Laufe der Jahre nicht mehr beachtet, so dass der Verkauf der Schäferei Anteile unabhängig der Liegenschaften erfolgte.


1804/05 wollte er das Haus auf seinen gleichnamigen Sohn übertragen, was aber vom Gemeinderat mit Hinweis auf seine Schulden von  400fl. abgelehnt wurde.
Daraufhin wurde der Hof an Georg Michael Zentler verkauft.

1817 verkaufte Georg Michael Zentler seinen Hof an seinen Schwiegersohn Johannes Frank um 1800fl.

Im Messbuch von 1818 wird Johannes Frank als Besitzer genannt.

Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer sein Schwiegersohn Johannes Frank genannt. Er und seine Frau starben 1855.

1846 vereinbarte Johann Frank mit seinem Schwiegersohn Wilhelm Fröhlich einen "Guts-Uebergabe und Leibrenten Vertrag".
Nach dem Tod seiner Frau im März 1851 zog Wilhelm Jacob Fröhlich nach Michelbach.

Kaufvertrag vom 09.03.1851 zwischen Wilhelm Jacob Fröhlich und seinem (Ex)Schwiegervater Johann Frank um 3125fl.


Auflistung der Inhaber von Schäferei Gerechtsamen in Verrenberg - 1854
Johann Frank wird mit 2 der insgesamt 120 Anteilen aufgelistet (No Anteil 68-69).
1801 waren es auf dem Hof noch 3 Anteile gesesen.


Am 08.03.1855 verkaufte Johann Frank seine Liegenschaft an seinen led. volljährigen Sohn Johann Philipp Frank um 2000fl.
"Ein zweistokiges Wohnhauß samt Scheuer unter einem Dach neben Johann Weber und der Gemeinde.
Die helfte einer 4 bareigten neuerbauten Scheuer neben der Zehntscheuer und Michael Akermann. Einen Überbauten neugewöllbten Keller.
" Es folgen noch Äcker, Wiesen etc.
Beinhaltet sind auch 2 Schäferei Antheile.
Die ledige Tochter Barbara bekommt den Sitz in der neuerbauten Stube ob der Scheuer am Haus, so lange sie ledig ist.


Am 25.09.1856 haben Johann Philipp Frank und sein Schwager Johann Leonhard Binhammer einen Kauf- und Tauschvertrag abgeschlossen.
Die Eheleute Binhammer verzichten auf das im Kaufvertrag von 1855 eingeräumte Nutznießungsrecht im neu überbauten gewölbten Keller neben dem Haus. Johann Philipp Frank zahlt dafür im Gegenzug 75fl.


Tierbestand auf diesem Hof laut Viehzählung von 1858
Namen der Eigenthümer Haus/Hof Rindvieh Schafe Schweine Ziegen Bienen Gänße Enten Hühner Pferde
Frank Johann Nr.64 8. 1. 1.         6. 1.


Im Schätzungsprotokoll von 1861 wird Johann Philipp Frank wieder als Besitzer genannt. Bereits 1856-57 war er Eigner der Scheune 64B.

Er wurde 1866 vergant und musste in Folge dessen den Hof verkaufen.


Am 07.09.1866 wurden aus der Gantmasse des Johann Philipp Frank einzelne Teile der Liegenschaft verkauft.
Die zweite Scheune auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, war nicht im Verkauf beinhaltet.
"ein 1.Stokiges Wohnhaus samt Scheuer und Backofen unten im Dorf mit einem Steueranschlag von 550fl. um 800fl. an Johann Spengler verkauft."

Im Zuge des obrigen Verkaufes aus der Gantmasse des Johann Philipp Frank kaufte der ledige Georg Biswanger von Unterhöfen unter Bürgschaft des Johann Frank von Unterohrn um 305fl.
"8,0 Rth Remise und Keller mit der Berechtigung über den Hofraum der Gebäude Nro. 64 fahren und gehen zu dürfen und Benüzung des Brunnens neben Geb.No.64."
Dieser ledige Georg Biswanger war der Schwager von Johann Philipp Frank. Im Familienregister seiner Eltern steht, dass 1866 nach Nordamerika auswanderte und 1901 für tod erklärt wurde.

In einem Nachtrag links steht:
"Der Käufer ist nach Amerika gereist, wovon der Bürge in Kenntniß gesezt und ihm eröffnet worden ist für die Zahlung zu sorgen."

Am 30.08.1867 verkauft die Ehefrau des Johann Philipp Frank die noch verbliebene "Scheuer über dem Ortsweg No.1 neben der Gemeindescheuer Gd No.7 und Käufer selbst Gd. No.60A" um 475fl. an Adam Borts Wittwe Rosina geb. Ilg.



Johann Spengler wird im Schätzungsprotokoll von 1869 wieder als Hofeigner genannt.
1876 baute er das Haus Nr.75.

Der Nachtrag von 1877 nennt die Witwe Rosina Layh als neue Besitzerin.

Am 28.Juni 1886 verkaufte die Witwe Rosina Layh das Haus um 2100 Mark an Johann Friedrich Christoph Schumacher.
Die Liegenschaft wird so beschrieben:
- 1 einstockiges Wohnhaus
- 1 Scheuer unter einem Dach mit 2 Barn
- Hofraum mit Bronnen
- 12ar 95qm Wiesen



Im Feuerversicherungsbuch von 1896 steht Johann Friedrich Christoph Schumacher erneut als Besitzer.
Ihm folgte sein Sohn Friedrich Schumacher. Danach der gleichnamige Sohn Friedrich Schumacher.

Ende des 20.Jahrhunderts lebte hier die Familie Friedrich Schumacher.


Bauliche Entwicklung


Im Lagerbuch von 1684 wird die Lage eines öden Hausplatzes des Balthar Schön so beschrieben:
"zw Hans Conradt [Haus 60] einerseits und Michel Scheufler [Haus 63] oben und unten gemeiner Weg". Damit dürfte dieser Platz gemeint sein, auf dem später das Haus Nr.64 entstand.

Zwischen 1818 und 1839 wurde ein Backofen am Haus angebaut. Auch wurde auf der gegenüber liegenden Straßenseite die Scheune 64A erbaut.

Um 1842 wurde ein Keller mit einem darüberliegenden Raum gebaut. 1855 scheint dort eine Stube für die led. Tochter Barbara gesen zu sein.



In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Johann Spengler Ein zweistockiges Wohnhaus mit angebauten einstockigen Scheuer von Stein und Fachwerk mit Giebeldach nebst dem angebauten Kellerhals von Stein mit Giebeldach 22'
31'
14,5'
19'

22,5'
31'
14,5'
19'

8,5'
15'
7'
7'
1.   1 1 1 1 gew. Keller
2 Dachböden in 2 Kammern

1 Tenne
1 Barn
1 Remise
Ziegel Im ersten Stock Stein sonst gem. Fachwerk

Im ersten Stock Stein sonst gem. Fachwerk

Stein
Backofen

Hausanbindung
Fundament gew.Keller u. Sockelmauern --- 900

425

25
IV 1125

531,15

31,15
alter Anschlag 450f./400f./neu
(1861)

1875-76 wurde der Backofen abgebrochen und das Haus an dieser Stelle erweitert.


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Schumacher Friedrich Weingärtner 2 stockiges Wohnhaus an der Oehringer Staige v gem. Bauart unter Giebeldach 6.60
8.75
Erdg 2.00
I.Stock 2.30
Dach 5.20
2 I.Stock   2 Dachboden 1 I.Stock 1 EG 1 gem Keller
1 Viehstall
Dachplatten Erdgeschoß von Stein sonst von ausgem Fachwerk Backofen auf Holzgebälk in der Küche des I.Stocks Fundament von gew Keller 1720     Alter ca 150 Jahre. Unterhaltung schlecht

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheuer
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 1 stockiger Scheuer unter gleichem Dach ohne eigene Wand angebaut 6.20
8.75
4.20
Dach 5.20
          1 Tenne
1Bare
Dachplatten 1/3 tel von Stein, 2/3tel v ausgem Fachwerk Zusammenhang mit dem Wohnhaus Fundamente 920      

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Hausanbau
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 2 stockigem 1875 erbauten Wohnhausanbau von Stein mit abgewalmten Pultdach ohne eigene Wand angebaut 8.75
2.30
4.40
Dach 1.60
Vergrößerung des hinteren heizbaren Zimmers         Stallvergrößerung gem Keller Dachplatten Stein zusammenhang mit dem Wohnhaus Fundamente u gew Keller 680      

Vermessungen


Messbuch 1818

Urkataster 1839

Nachtrag zum Primärkataster, 1850-52

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1850-52; Haus 64 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1850-52; Haus 64

Nachtrag zum Primärkataster, 1875-76

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1875-76; Haus 64 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg, 1875-76; Haus 64
 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Kreisarchiv Neuenstein: Der Hohenloher Bote; 1866
SW-Bilder: Familie Erich Bort
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: B 72 Kaufbuch Bd.8
Ortsarchiv Verrenberg: B 75 Kaufbuch Teil11 1864-1868
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Messbuch von 1818
Ortsarchiv Verrenberg: B 56 Beilagen zum Gemeindegüterbuch Band II: Schäfereiwesen 1801-1858