Verrenberg HistorischDas Ruggerichtsrezessbuch in Verrenberg Teil 3 1855-1867




Teil 1 von 1833 Teil 2 1836 - 1847 Teil 3 1855 - 1867


1855 1858 1863 1867
 


Die unten skizzierten Inhalte sind nicht vollständig.

Teil 3 1855-1867


Ruggericht 1855

(Der Inhalt wird nur Auszugsweise beschrieben)

I. Die Erbhuldigung legten ab

1.) Georg Peter Zorn geb. 1835
2.) Johann Georg Bort geb. 1837
3.) Carl Christian Kanppenberger geb. 1838
Diese von Verrenberg
Joh Jak Dürr, 19 Jahre v Adolzfurth

Abwesend ist vor jetzt huldigigungspflichtigen:
Joh Georg Frank geb 1838
Fried. Leonh. Löffler geb. 1839 (krank)

Während die zur Huldigung aufg….henten
Joh. Bernh. Ad. Layh
und
Carl Michael Christian Wieland
Noch nicht volle 16 Jahre alt sind, und daher auf das nächste Ruggericht verwiesen werden.

II. Besondere Wünsche oder Beschwerden sind nicht angebracht worden

III. Rezesse

- "Im Gemeinderathsprotokolle sind in Fällen, welche der Genehmigung der höheren Behörde unterliegen, die Entschließungen der lezteren anzumerken."
- "Die Mitglieder des Kirchenconvents - soweit sie nicht vermöge ihres Amts theil zu nehmen haben, sind durch den Stiftungsrath, ausdrüklich zu wählen."
- Der Vollzug von Arreststrafen und Übergabe der Geldstrafen sollen auch künftig im Protokoll nachgewiesen werden.
- Bei wiederholtem Schulversäumis des Kindes, darf die dann fällige Arreststrafe gegen den Vater nicht von der Mutter angetreten werden - auch wenn diese dies ausdrücklich wünscht.
- Strafverzeichnisse betreffend
- In das Befehlbuch enthält seit 1847 keine einträge mehr. Es soll ein Register angelegt und zukünftig gewissenhaft geführt werden.
- Die Bürgerliste ist zu ergänzen und richtig zu stellen.
- Wenn Gemeindeangehörige in andere Orte des Inlandes übersiedeln, müssen sie u.a. den Nachweis der bürgerlichen Aufnahme im Zielort beibringen. Dieser ist sorgfälltig zu verwahren. Dies ist wichtig, um später unberechtigte Ansprüche abweisen zu können.
- Das Mobiliarinventar wird vermißt.
- "Das Strafbuch welches entbehrlich geworden, ist zu einem Schultheißen Amts Protokoll angelegt und die Strafverfügungen werden in das Gemeinderath oder SchultheißenAmts Protokoll je nach Umständen eingetragen."
- Diverse Regierungsblätter fehlen. "Schultheiß Layh, erst seit 1853 im Amt, erklärrt, daß ihm bei … Amtsantritt gar nichts urkundlich übergeben worden seye."
- "Die alten Intelligenzblätter von 1821 bis 1839 …….. sind entbehrlich, ebenso 4 Bände alten Stuttgarter Anzeigen, und zum Besten der Gemeindekasse zu verkaufen."
- "Die Gemeinderegistratur ist ein einem ganz ungeordneten Zustand und muss notwendig geordnet werden, worüber der Gemeinderat am Besten mit dem Verwaltungsaktuar der Gemeinde einen Akkord abzuschließen hat und dem OAmt vorzulegen hat"


- Die Markungsgrenzen sind alle sechs Jahre zu untersuchen. Dies hat noch 1855 zu erfolgen.
- Es werden verschiedene Einrichtungen aufgezählt, deren Besuch "zur besserung der landwirtschaftl. Interessen" empfohlen wird.
- "Die Gemeinde hat einen Platz von ½ Morgen mit Obstbäumen angepflanzt, und wird die fernere Anlegung solcher Pflanzungen auf sonstige geeignete Plätze empfohlen."
- Weinberge, die an ungeeigneten Plätzen angelegt wurden, sind in einem Verzeichnis aufzulisten.
- Das Schultheißenamt darf es nicht mehr dulden, dass Jauche über die Straße läuft. Die Besitzer müssen geeignete Sammelbehälter bauen.
- "Die Chaussemäßige Herstellung der Strasse" vom Ort zur Hauptstrasse Öhringen - Bitzfeld soll im Lauf des Sommers oder Herbst durchgeführt werden.
- "Die Ortsstraße bedarf sehr einer Ausbesserung, welche jedenfalls den Sommer über zu bewerkstelligen ist. Namentlich ist aber darauf zu achten, dass ein gehöriger Wasserablauf durch Herstellung und Offenhaltung der Seitengruben bewirkt wird. Die vielfach vorhandenen Morasthaufen sind in Bälde wegzuschaffen und überhaupt mehr Reinlichkeit im Ort einzuführen, besonders durch Entfernung vorstehender Wasser- und Schlammpfützen im unteren Dorf."
- "Die vorhandenen schadhaften Ortsstöcke und Tafeln müssen erneuert werden."
- "Der Baumsatz an den Strassen ist überall wo Lücken sind zu ergänzen"


- Die Gemeinde besitzt eine kleine Handspritze. Es wird die Anschaffung einer Fahrspritze empfohlen. Dies könnte auch zusammen mit einer Nachbargemeinde geschehen.
- "Die Gemeinde besitz eine kleine Kirche, an welche ein Schullokal und das Ratszimmer samt Arrestlokal anstößt. In der Kirche und dem Schulzimmer sind viele Fenster zerbrochen, so dass diese Lokale ein übles Aussehen haben, daher die erforderlichen Reparaturen vorzunehmen sind. Im Innern der Kirche sieht es höchst unreinlich aus, zunächst ist sobald als möglich das Ausweißen derselben einzuleiten, dann aber durch regelmäßiges Reinigen der Lokale ein anständiger Zustand zu erhalten."
- "In der Gemeinde ist der Kretinismus nicht selten und wird der Gemeindebehörde dringend empfohlen, in jeder möglichen Weise durch Beförderung der Reinlichkeit, Bekämpfung des Missbrauchs im Brandweingenuss etc. die Gelegenheitsursache zu dem Übel, zu vermeiden. Insbesondere ist es sehr nötig, für das durch den Ort fließende Wasser einen regelmäßigen Abschluss zu erhalten. Vom oberen Teil des Dorfs führt ein Wassergraben in den unteren Teil, in welcher sich eine große Menge Schlamm ansammelt, dessen Ausräumung bisher dem Farrenhalter überlassen war. Dieser Graben soll nun demnächst aufgefüllt werden, bis auf eine schmale Rinne mit gehörigem Abzug. Dagegen ist in dem regelmäßigen Ausputzen der übrigen Wasserbehälter im unteren Dorf fortan durchaus nichts zu versäumen."
- Der Boden des Arrest ist durch Eindringen von Wasser teilweise verfault. Durch eine Senkung des Bodens wurde der Ofen beschädigt. Beides ist zu beseitigen. Zudem sollen Strohsack, Kopfpolster und Teppich angeschafft werden.
- Das Leichenschauregister muss gewissenhafter geführt werden.
- Auch das Kälberregister muss genauer geführt werden.
- "Über fremde Dienstboten ist das vorgeschriebene Register anzulegen und zu führen." Auch muss "der Stand und Gewerbe der Fremden näher" eingetragen werden.
- Gewerbsmäßige Bettler sollen "weggewißen" werden.
- "Die gehörige Handhabung der Vorschriften über die Sonntagsfeier, die Wirtshauspolizei und namentlich des Vorhalts des Wirtshausbesuchs junger Leute unter 18 Jahren wird zur genauen Beachtung eingeschärft."
- "Ganz besonders wird empfohlen es dahin zu bringen, daß die Dienstboten wie auch andere Leute die Gewohnheit, einen entsprechenden Theil ihres Einkommens in die Sparkasse anzulegen anmahnen und zweifelt man nicht daran, daß dies dem Ortsvorsteher in Verbindung mit dem Geistlichen gelingen werde."
[Nachtrag links zu 36]
"In dem hiesigen Ort befinden sich sehr wenige Dienstbotten, daher nur von 2. Eine ersparniß in die Sparkasse Oehringen gelegt worden ist". "


- In der vorhandenen Krämerei müssen Ortsvorstand oder ein Gemeinderath einmal jährlich Maase und Gewichte kontrollieren. Dies muss im Schultheißenprotokoll dokumentiert werden.
- Neben dem Lindenwirth, aber "nicht zu diesem gehörig, befindet sich eine offene Kegelbahn, hart an der Hauptstraße des Orts und sogar mit dem Ende der Kegelbahn gegen die Straße gerichtet, was ganz polizeiwidrig ist. Das Schultheißenamt darf daher den Gebraucht dieser Kegelbahn durchaus nicht mehr zulassen."


Wo war die Kegelbahn? Dies ist bis Dato die einzige Nennung der Kegelbahn.
Die Angabe neben dem Lindenwirt, direkt an der Hauptstraße und die Auswertung verschiedener Karten deuten auf das mit dem Pfeil markierten Gebäude auf der Karte hin.

1839 war an dieser Stelle kein Gebäude eingezeichnet. Auch war das Flurstück 127 (1839) aufgeteilt (1858) in 127/1 (Kegelbahn) und 127/2 Grund um das Haus Nr.69.
Wer war der Besitzer der Kegelbahn? Was passierte nach dieser Anordnung des Ruggericht?


- Der Güterweg vom oberen Teil des Orts gegen Pfedelbach muss dringend hergerichtet werden.
 

Quellennachweis.

Ortsarchiv Verrenberg: B 2 Ruggerichtsrezessbuch 1833-1888