Verrenberg Historisch

Bahnwärterhaus Station 89 in Verrenberg
Bahnübergang in km 96 + 600 (Haus Nr.70, auch "No.21 der Nummer der Bahnwarthäuser") genannt

Luftbild wo die Station 89 war
Luftbild 1944
der Station 89

Übersicht Verrenberg 1965 mit
den Eisenbahnstationen

Zeichnung aus der Bauakte von 1906

Blick auf Bitzfeld vom Golberg aus. Rechts die Station 89

Gemeint ist die Station Richtung Bretzfeld, die größer war als üblich, da ursprünglich ein Bahnhof angedacht war.



Diese Bilder unten wurden 1968 von Burkhard Wollny bei Öhringen gemacht. Vielen Dank an die Eisenbahnstiftung.de, für die Erlaubnis die Bilder hier zu veröffentlichen!

Am 15.12.1968 bei Öhringen

Am 16.06.1968 bei Öhringen

Am 16.06.1968 bei Öhringen

Die Bewohner / Bahnwärter

Bei seiner Hochzeit 1862 wird Johannes Friz als Bahnwärter der Station 89 genannt. Damit dürfte er der erste auf diesem Posten gewesen sein.

Der nächste Wärter ab 1863 dieser Station dürfte Karl Albrecht Eßlinger gewesen sein. Er war vermutlich bis 1882 oder 1884 hier.

1882 übernahm dann Johann Georg Rupp die Station 89. Er wurde vermutlich 1907 pensioniert und zog in die nördl. Hälfte des Haus Nr.58.

Am 02.03.1883 wird Karoline Frida als uneheliche Tochter der Karoline Sinn auf der Station 89 geboren.
War sie dort in Untermiete?

In einem undatierten Nachtrag des Feuerversicherungsbuch von 1896 ist Christian Herrmann als nächster Bahnwärter eingetragen.
Vermutlich kam er 1907 und blieb dort bis 1913.

1913 zog Gottlieb Dagenbach nach Verrenberg und übernahm diesen Posten.
Es gibt Hinweise, dass sein Sohn Eugen Dagenbach 1945 diesen Posten inne hatte. Bis 1948, als seine Schwester Emma heiratete?

In den 1960er Jahren wird dann Emma Dagenbach auf dieser Station.
Hatte sie 1948 von ihrem Bruder übernommen?

Später wird von einem Herrn Ernst Keßler auf dieser Station berichtet. Sicher ist, dass Ernst Keßler bei der Bahn im Raum Öhringen arbeitete und später nach Ludwigsburg zog.


Bauliche Entwicklung


Im 1858 angelegten Verrenberger Güterbuch findet sich dieser Eintrag zur Bahnstation 89 / Haus Nr.70:
Folgendes fällt darin auf:
Die Station wird später mit der Nummer "89" bezeichnet. Hier heist es aber: "No.21 der Nummer der Bahnwarthäuser". Worauf beziehen sich die unterschiedlichen Zählweisen?
1862 auf no.432 neu erbaut.
1889 der Schuppen neu erbaut.

Am 04. Februar 1862 wurde die Strecke Heilbronn - Hall feierlich eröffnet.

An der Stelle, an der der Verrenbach die Bahnlinie unterquert, war auf der Seite Richtung Bitzfeld ein Brunnen.
Von diesem holten die Bewohner der Station 89 ihr Wasser. Vermutlich war er beim Bau der Eisenbahn gegraben worden.

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zur Station 89
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Königliche Eisenbahn Verwaltung Ein zweistockiges Bahnwarthaus von Stein mit Giebeldach 36'
19'
17'
4'
2. 1 1 1   1 gew. Keller Ziegel Stein Keine da mehr als 400' von anderen Gebäuden u Waldunggen entfernt Fundament gew. Keller Sockel, sämtl. Umfassunges- und Giebelmauern und Schmiedeisen --- 1700 II 1275 alter Anschlag 1700f.
(1861)


Skizze Bahnwärterhaus 1896 - Station 89 Skizze des Bahnwärterhaus Station 89 - 1896


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Königl Eisenbahn Verwaltung 2 stockiges 1862 erbautes Bahnwärterhaus (No.21) im Flurfeld von Stein mit Giebeldach 10.30
5.45
5.40
Dach 1.50
1 I.Stock 1 Dachraum 1 I.Stock
1 Dachraum
1 I.Stock   1gew Keller
1 Abtritt
Schiefer Stein mehr als 5,72m v benachbarten Gebäude u Waldungen entfernt Fundamente, Unfassungs und Giebelwände u gew. Keller 2720 II 2040  

1906 stellt die Königliche Eisenbahnverwaltung ein Baugesuch für einen Stallanbau an das Bahnwärterhaus 89.




1907 stellt der Bahnwärter der Bahnstation 89 Christian Hermann das Baugesuch seine Scheune zu erweitern.




Die Scheuer 70/1 wurde 1945 durch Kampfhandlungen (2.WK) zerstört



Diese Station wurde spätestens 1966 abgebrochen.

Aus den Archiven

Ein Bahnhof an der Station 89 für Verrenberg - 1895
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 26.November 1895 findet sich folgendes:
Nachdem auf Eingabe der Gemeinden Bitzfeld und Verrenberg die Generaldirektion der Königl. Staatseisenbahnen nach dem Erlaß vom 24.Juni d.J. darauf eingegangen ist, in dem Wärterhaus No.89 im Flurfeld Markung Verrenberg zwischen Verrenberg und Bitzfeld einen Haltepunkt für die Lokalzüge zu genehmigen dabei aber die Bedingung geknüpft, daß der Aufwand von den Interesenten nehmlich für die bauliche Einrichtung ca. 500M, für jährliche Fahrkartenausgabe ca. 60M, ferner die Einrichtung eines Unterstandraumes, nebst der weiteren Bedingung daß der zu dem Wärterposten führente Feldweg angemessen verbessert werde.
Die Gemeinde Bitzfeld hat sich nach dem Beschluß vom 21.Sept. d.J. nur zu 1/3 Theil dieses Kostenaufwandes verpflichtet.
Dieser Gegenstand wurde schon einigemale vor versammleten Gemeinderat zur Sprache gebracht jedoch ohne ein bestimmtes Ziehl zu erreichen es wurde deßhalb auf heute die sämtl. Bürgerl. Collegien nebst den Güterbesitzer von deren zur Verbesserung des Feldweges im Flurfeld eine Akergewandslänge Areal zu erwerben wäre, versammelt.
Auf erstatteten Vortrag wurde zunächst mit den Güterbesitzern von welchen zu dem fortzusetzenden Fahrweg Areal zu erwerben wäre verhandelt, die selben haben aber solche enorme Preise gefordert, daß eine Übereinkunft nicht zu Stande gebracht werden konnte.
(Es hat gefordert Friedrich ..... 2000M, Johann ..... neben Entbindung seiner bisherigen Fuhrlast 1200M pro Morgen)
Hirnach wurde bei versammelten Gemeinderat der Gegenstand weiter berathen und in Erwägung gebracht, daß der Haltepunkt bei Wärterhaus No.89 sich nur auf die Lokalzüge beschrenken würde und hieraus ein geringer Nutzen für das hiesige Ort gegenüber des großen Aufwandes in Aussicht stünde und die Gemeinde ohnehin schwer belastet ist und wird beschlossen:
Das Bittgesuch hiermit zurück zu nehmen und die Kl. Generaldirektion der Kl. Staatseisenbahnen zu benachrichtigen.
So scheiterte dieser Anlauf für einen Verrenberger Bahnhof an den Forderungen für Ackerfläche, die zur Verbesserung des "zu dem Wärterposten führente Feldweg" gekauft werden sollte.

Ein Bahnhof an der Station 89 für Verrenberg - 1909
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 09.März 1909 findet sich folgendes:
Bei der heutigen Beratung der Vorschlag des Gemeindehaushalts für das Rechnungsjahr 1909 wurde angeregt, der Frage nach Errichtung einer Eisenbahnhaltestelle beim Bahnwarthaus N.89 dahier durch Erkundigung nach dem zu machenden Aufwand und der an demselben in Aussicht zu nehmenden Beteiligung seitens der Gemeinde Bitzfeld, näher zu treten.
Die Gemeindecollegien waren einmütig den Eindruck, daß wenn der Aufwand ein allzugroßer wäre, die Angelegenheit wohl keine Aussicht auf Verwirklichung habe, weil wen die hiesige Gemeinde neben einer so hohen Gemeindeumlage noch so enorm viele und wichtige Einrichtungen und Verbesserung in nächster Zeit zu leiden hat.
Es wird deßhalb nach längerer Beratung.
Beschlossen
Die Gemeindevertretung zu Bitzfeld zu befragen, ob sie über die Höhe der Kosten fraglichen Unternehmens unterrichtet und in welchem Maßstab sie bereit sei, sich an der Leistung deßselben zu beteiligen
Auch dieser zweite Anlauf scheiterte am Geld.

Die Station 89 soll geschlossen werden - 1930
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 13.Februar 1930 findet sich folgendes:
Auf eine mündliche Anfrage der Bahnmeisterei Oehringen ob der Bahnübergang Post. 89 (Degenbach) nicht ganz in Wegfall kommen könnte, wird dem gemeinderat unterbreitet, der Gemeinderat hat dagegen nichts einzuwenden wenn der Fußgängerweg belassen bleibt.
Dagegen wurde mit der Witwe Carle die auf ihr über der Bahnlinie gelegenes Grundstück das Recht der Überfahrt über die Bahn hat.
Verhandelt
Dieselbe erklärt:
Das Überfahrtsrecht über die Bahn bei Post 89 zu meinem Grundstück vergebe ich nicht, wenn die schon längst angeregte Feldbereinigung im Flurfeld zur Ausführung kommt habe ich einen besseren u. näheren Weg zu meinem Wohnsitz, sollte aber diese Feldbereinigung zur Ausführung kommen wäre ich bereit gegen Tausch der Reichseisenbahn mein Grundstück in Flurfeld über die Bahn gegen Verrenberg verlegen zu lassen.
Beschluß
Der Bahnmeisterei Oehringen Auszug hievon vorzulegen
ferner wird
Beschlossen
Der Bahnübergang bei Post. 90 (Roth) soll offen gehalten bleiben in den Monaten 1.Nov. bis letzten April von morgens 6 bis Abends 8 Uhr.
In den Monaten Mai u September von morgens 5 bis 9 Uhr
In den Monaten Juni, Juli u. August von morgens 4 bis 10 Uhr
An Sonn- und Festtagen kann die Überfahrt geschlossen bleiben, es ist schon vorgekommen daß fremde Fuhrwerke oder Auto denen die Sperrung nicht bekant ist, dort verkehren in diesen Fällen ist jedem Fuhrwerk u Auto auch an Sonn- und Festtagen die Schranke zu öffnen

Aus dem Primärkataster und Pläne

Nachtrag zum Primärkataster; 1863-64

Eintrag im Primärkataster von 1863-64; Haus 70

Nachtrag zum Primärkataster; 1905

Eintrag im Primärkataster von 1905; Haus 70

Plan zum Bau der Station 89 in Verrenberg um 1863

Plan zum Bau der Station 89 in Verrenberg um 1863; Haus 70

 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: A 134 Verzeichnisse über die Veränderungen im Feuerversicherungsbuch 1966
Staatsarchiv Ludwigsburg F 192 III Bü 2026
Buch Öhringer Kreisbeschreibung 1965