Verrenberg HistorischDie Familie Heinrich Adam Grabert
1762-1802 in Verrenberg/Paris




(4)
Der zwölfte Mai achtzehnhundertachtundsechzig um ein Uhr abends.

Sterbeurkunde von Nicolas Joseph Grabert, gestorben gestern Mittag in seiner Wohnung, Avenue de Châtillon 13, Paris,
76 Jahre alt, Rentner, Witwer von Josephine François, Sohn von Henry Adam Grabert und Barbe Pierre.

Festgestellt durch uns Standesbeamten aufgrund der Erklärung von Henri Louis Moesnier, 30 Jahre alt, Angestellter, wohnhaft in der Rue de Bellechasse Nr. 89, Enkel des Verstorbenen, und von Jules Humbert, 35 Jahre alt, Hotelier, wohnhaft in der Avenue de Châtillon 13, die nach der ihnen vorgelesenen Urkunde mit uns unterschrieben haben.


Im Januar 1826 trafen sich in Paris beim Notar
   - Herr Nikolaus Joseph Grabert Mezgermeister wohnhaft zu Paris Stempel Nr. 103
   - Seine Mutter "Barbara Pierre, Wittwe von erster Ehe von Heinrich Adam Grabert und in 2ter von H. François-Ignac Kesler wohnhaft zu Paris in der Strasse des enfants Prouges nr. 7"
Der Advokat A. Strauß von Heilbronn wurde von ihnen mit umfassenden Vollmachten ausgestattet.
Er sollte all ihre Interessen vertreten. Besonders im Hinblick auf das Erbe von Johann Peter Grabert (geb. 1758) und Heinrich Adam Grabert (1762-1802)


Realteilung über das Vermögen des verschollenen Johann Peter Grabert am 03.03.1829 in Verrenberg
Johann Peter Grabert war vermutlich 1778 nach Amerika ausgewandert. Zu vermuten ist auch, dass schon damals der Kontakt zu ihm verloren ging.
Er war am 11.02.1829 vom Amtsgericht für Tod erklärt worden
Als Erben werden die "vollbürtigen" Geschwister Kinder genannt:
1. Der Sohn seines verstorbenen Bruders Heinrich Adam Grabert, Nikolaus Joseph Grabert Mezgermeister zu Paris
2. Die Kinder seines verstorbenen Bruders Johannes Grabert in Bitzfeld
   a. Johan Ludwig Grabert Mezgermeister in Bitzfeld
   b. Juliane Louise Grabert nun geehlichte Schneider in Waldenburg
   c. Christine Magdalena Grabert in Bitzfeld 30 Jahre alt
   d. Johann Peter Grabert in Bitzfeld 28 Jahre alt
   e. Georg Carl Grabert zu Waldenburg
3. Die Kinder seiner verstorbenen Schwester Louisa Catharina Margretha Grabert an Georg Bort Schultheiß in Bitzfeld verheyrathet
   a. Johann Ludwig Bort
   b. Johann Peter Bort
   c. Johann Georg Bort

Das Erbe wird in Summe mit 9246fl. 43x angegeben. Jedem der Erben standen damit 1027 fl. 24x zu.


Am 04.03.1829 erschien Nicolas Joseph Grabert beim Notar in Paris.
Er benennt den Advocat Strauß aus Heilbronn als seinen Bevollmächtigten. Es geht darum, dass seine Rechte in der Erbschaft des Johann Peter Grabert gewahrt werden.
Im Dokument sieht man links das in Paris gefertigte Original in französisch. Rechts dann die deutsche Übersetzung.
Hier ein paar grundsätzliche Daten zum Dokument:
  Datum: Ausgestellt am 7. März 1829
  Ort: Enghien-Montmorency (bei Paris), Frankreich.
  Notar: Maître Prouharam.

Die beteiligten Personen   Vollmachtgeber: Herr Nicolas Joseph Grabert, von Beruf Metzger, wohnhaft in Paris (Rue du Temple Nr. 103). Er wird als ehelicher Sohn des verstorbenen Henri Adam Grabert identifiziert.
  Der Erblasser: Sein Onkel, Jean Pierre Grabert. Im Dokument wird erwähnt, dass dieser "seit vielen Jahren verschwunden" (disparu depuis longues années) war.
  Bevollmächtigter: Herr Strauss, ein Advokat (Rechtsanwalt) in Heilbronn, Königreich Württemberg.

Der Zweck des Schreibens   Nicolas Joseph Grabert setzt den Advokaten Strauss in Heilbronn als seinen rechtlichen Vertreter ein, um die Erbschaftsangelegenheiten seines verstorbenen Onkels Jean Pierre Grabert in Württemberg zu regeln.

Die Vollmacht umfasst unter anderem:
  Die Inbesitznahme aller Vermögenswerte, die Nicolas Joseph Grabert aus dieser Nachlasssache zustehen.
  Das Einfordern von Schulden und die Entgegennahme von Zahlungen.
  Die Vertretung vor Gerichten, falls es Streitigkeiten um das Erbe gibt.
  Den Abschluss von Vergleichen und das Unterzeichnen aller notwendigen Quittungen und Dokumente.

Besondere Details
  Übersetzer: Da der Vollmachtgeber in Frankreich lebt, die Erbschaft aber in Deutschland (Württemberg) abgewickelt wird, wurde ein beeidigter Dolmetscher namens François Charlemagne Fischer hinzugezogen, der den Text ins Deutsche übersetzte.
  Beglaubigung: Das Dokument trägt offizielle Stempel (Timbre Royal) und die Unterschriften des Notars, des Vollmachtgebers sowie zweier Zeugen (Perriere und Anthéaume).


Transkription des ersten Abschnitts der deutschen Fassung (rechte Spalte der ersten Seite)
„Vor M^e. [Maître] Prouharam, Notarius in der Stadt Enghien-Montmorency, Departement der Seine und Oise residirend, in Gegenwart nachstehend benannter Zeugen:
Erschienen: Der Herr Nicolas Joseph Grabert, Metzger von Profession, wohnend zu Paris, in der Straße des Temples No. 103 wohnhaft.
Besagter Herr Grabert, ein rechtmäßig hinterlassener ehelicher Sohn des am vierzehnten October acht und zwanzig [1828] verstorbenen Herrn Henri Adam Grabert,
und in dieser Eigenschaft präsumtiver Erbe des Herrn Johann Peter Grabert, seines Oheims, welcher letzterer seit vielen Jahren verschwunden ist.“

Transkription des zweiten Abschnitts der deutschen Fassung (der Kern der Vollmacht)
Im weiteren Verlauf wird der Zweck präzisiert:
    „Zugleich aber bestätigt, laut dieses abermals besagter Grabert, alle Rechte von ihn an den vorgenannten Erbtiteln, Vollmachten und Befugniß zu seinem Bevollmächtigten, den Herrn Strauss, Advocat zu Heilbronn im Württembergischen wohnhaft.“ 

Zusammenfassung der Befugnisse

Nicolas Joseph Grabert bevollmächtigt den Heilbronner Anwalt Strauss dazu:
    Rechnungen zu fordern und den Nachlass in Besitz zu nehmen.
    Zahlungen entgegenzunehmen und rechtsgültige Quittungen auszustellen.
    Vor allen notwendigen Gerichten zu erscheinen, falls es Streitigkeiten um das Erbe seines verschollenen Onkels gibt.

Transkription des dritten Abschnitts der deutschen Fassung
Dieser Teil beschreibt die Rechtskraft der Handlungen des Bevollmächtigten und den Abschluss der Urkunde:
    „...zu thun, was immer die Umstände erfordern werden, versprechend alles zu genehmigen, was sein Bevollmächtigter thun wird.
        Geschehen zu Enghien-Montmorency, in der Wohnung des Notarius, am siebenten März ein tausend acht hundert neun und zwanzig [1829], in Gegenwart der Herren Jean Louis Constant Perriere, Hausbesitzer,
        und Nicolaus Demis Antheaume, Specerey-Händler, beide dahier zu Enghien-Montmorency wohnend, als hierzu ersuchte Zeugen, welche, nach geschehener Vorlesung mit dem Herrn Grabert und dem Notarius gegenwärtigen Akt unterschrieben haben,
        welcher gegenwärtig in deutsche Sprache übersetzt ist durch uns:
        F. Fischer, beeidigter Übersetzer bei dem Königlichen Gerichtshof in Paris, wohnhaft in der Rue de Monconseil No. 39 ist übersetzt und mit unterzeichnet worden.“



 

Quellennachweis.

Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800

Bitzfelder Kirchenbücher (Mikrofilm KB 1501 Band 6)

www.Familysearch.com

Buch "The Wuerttemberg Emigration Index, Volume Six"
Buch "Auswanderung aus dem Königreich Württemberg vor 1850" von Friedrich R. Wollmershäuser

Deutscher Merkur

https://www.siv.archives-nationales.culture.gouv.fr

Ortsarchiv Verrenberg: A 302 Nr.25a Realteilung Johann Peter Grabert, 1829