Verrenberg HistorischDie Familie Georg Leonhard Carle
(1807-1862) in Verrenberg


Georg Leonhard Carle übernimmt die Versorgung der Eva Margaretha Carle - 1845
Mit dem Gutskauf übernimmt Georg Leonhard Carle nicht nur die Haushälfte 15a, sondern schließt auch einen "Ernährungs Vertrag" zugunsten von Eva Margareta Carle ab.
"Verhandelt Verrenberg den 26ten Juni 1845
Ernährungs Vertrag
Zwischen Baldes Weidelich und Leonhard Carle. Leonhard Carle übernimmt von seinem Schwager Weidelich seine Schwester Eva Margareta Carle, woh Weidelich zu seinem Guts Kauf über nommen hat und ihr Eigens Vermöchen.

So tridt jez der Käufer des hauses ein und übernimt Leonhard Carle auch seine Schwester um ihr ganzes Vermöchen auf Lehbens Tauer, der Margata Carle, und sollte Leonhard Carle vor derselben mit Tod abgehen, so muß der Nachfolger oder Spehtere Eigenthimmer des Haußes dieselbe auch Kleiden und Verpflegen wie Carle und wann dieselbe sollte Erkranken so müßten diese auch den Arzt und Apotheker zahlen, und das Recht auch anzusprechen wie bey der Übernahme des Weidelich.

Diese Verhandlung wird von beyden Eigenhändig unterschrieben
"


Georg Leonhard Carle erwirbt das aktive Bürgerrecht durch Heirat - 1846
In der Liste zum aktiven Bürgerrecht im Ortsarchiv findet sich folgendes:
Art der Erwerbung des Bürgerrechts: durch Geburt
Art und Zeit des Eintritts in das aktive Bürgerrecht: Verheurathung 1846


Georg Leonhard Carle möchte heiraten - 1847 (1)
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 05.Januar 1847 liest sich das so:
Leonhard Carle ledig von hier bittet um die Erlaubniß sich mit Eva Catharina Preuninger von Michelbach, welche ein schuldenfreyes Vermögen v 400f. Und ein gutes Prädikat bezeugt ist verehelichen zu dürfen.
Heirathsbewerber selbst besizt notarisch ein Vermögen von 300f. und ein gutes Prädikat. Ferner ist er zu Ausübung der Landwirthschaft persönlich befähigt, und da somit sein Nahrungsstand als gesichert erscheindt, also der Fall nicht zutrift, in welchem der Bürger Ausschuß um seine gutächterliche Aeußerung zu vernehmen wäre so wurde
Beschlossen
dem Leonhard Carle heirath Erlaubniß zu geben und anzusezen:
1) Surrogat
   a) für Feuer Aimer 1f. 30x
   b) für Obstbäume 1f. 12x
2) ... Gebühr pro Braut 5f.
3) Gebühr des Aufwärters 6x
(1) Diese Anfrage war vor der Hochzeit am 13.10.1846 wurde aber erst am 05.01.1847 ins Gemeinderathsprotokoll eingetragen


Beibrings-Inventur des Georg Leonhard Carle und seiner Ehefrau - 1846
Im Kaufbuch steht zwar Georg Leonhard Carle als Käufer alleine drin, aber auf Seite 3 dieses Beibrings-Inventur steht klar, dass die Ehefrau Christine Catharina Carle geb. Preuninger"als Mitkäuferin und Miteigenthümerin bei all der schon früher erworbenen Liegenschaft des Ehemannes eingestanden ist, solche demnach zur Errungenschaft gehört."
Es wird im Detail aufgelistet, was er mit in die Ehe bringt. In Summe ist das ein Wert von 508fl. 30x (schuldenfrei)
Der Wert ihres Beibringens wird auf 438fl. 6x. taxiert, ebenfalls schuldenfrei.

Was für eine Liegenschaft hatten sie schon zuvor gemeinsam gekauft?


Leonhardt Carle wurde vergant, Haus und Hof kommen zum Verkauf - 1851
Warum geriet er schon 5 Jahre nach der Hochzeit in Gant?

Verkauf ist geplant für den 15.01.1852


Fahrnisverkauf aus der Gantmasse des Leonhard Carle und des Johann Zorn - 1851

Verkauf ist geplant für den 22.12.1851


Auszug aus dem Schwäbischer Merkur von 1852


Leonhardt Carle wird gestraft - 1859
Im "Schultheißen-Amts Protokoll" findet sich am 14.Februar 1859 folgendes:
Das hies. Schultheißen Amt hat in Erfahrung gebracht daß Leonhardt Carle eine Persohn Profession ein Schreiner aus Herrenberg mit Namens Friedrich Jacob übernachtet habe.
Carle wurde über vorstehendes vernommen gibt an es ist richtig daß ich diese Persohn übernachtet habe den diese Persohn hat bei mir um Erlaubniß zum Übernachten angehalten mir kam aber jedoch außer acht daß ich um Amtliche Erlaubniß zum Übernachten nachgesucht habe
Beschluß
Da es in der Gemeinde schon öfters erörtert worden ist keine Persohn ohne amtliche Erlaubniß zu übernachten den Leonhardt Carle in eine Verwarnungsstrafe von 1f. zu verfällen unter Recoursbelehrung.
Carle verzichtet auf das Recoursrecht und erkennt die angesagte Strafe an


Leonhardt Carle wird gestraft - 1860
Im "Schultheißen-Amts Protokoll" findet sich am 16.August 1860 folgendes:
Am 15.Aug. d.J. Nachts zwischen 11 und 12 Uhr hat der in Oehringen stattionierte Hl. Stations Commandant Regmaier mit Erlaubniß des unterzeichneten eine Haußdurchsuchung hier vorgenommen wegen Gesezwiedrigen Persohnen und hat bei dem Hausbesitzer Leonhardt Carle.
Den Eisenbahnarbeiter Christian Fugger von Phalbach mit Dorothe Retz von Rutschen Herzogthum Baden beim zusammenschlafen ...... und leben, angetroffen und dem Schultheißen vorgeführt.
Die verhafteten wurden somit dem K.Oberamt zur Anzeige gebracht und der Haußbesitzer Carle über das mitwissen des zusammenlebens vernommen gibt an die Dorothe Retz ist schon längst bei meiner Frau geschlafen gerade ein paar Nächte ist sie bei dem Christian Függer geschlafen worüber ich mitwissen habe
Beschluß
Über das mitwissen des zusammen leben der Haußbesitzer Leonhard Carle in eine Strafe von 1f. zu verfällen. Carle verzichtet auf den Recours und erkennt die Strafe an


Nach dem Tod des Leonhard Carle sichert seine Witwe Christina Carle den Sitz im Haus zu -1862
Verrenberg
Die unterzeichnete Eva Catharina geb. Preuninger, Witwe des verst. Leonhardt Carle, gew. Weingärtners hier macht sich hiermit verbindlich der Schwester ihres verst. Mannes Christina Carle, ledig vollj. hier, den Sitz in dem Hause, das sie gegenwärtig bewohnt und Eigenthum des Hl. Sparvereinskassiers Neusser in Oehringen ist, unentgeltlich bei kalt und warm einzuwärmen und zwar solange, als sie, Witwe Carle dieses Haus bewohnt.

Den 13.Merz 1862
Catharina Carle


Nach dem Tod des Leonhard Carle können die Gläubiger aus seinem Gant ihre Ansprüche erneut anmelden - Hohenloher Bote 17.03.1862


Nach dem Tod von Leonhard Carle 1862 wurde diese Realteilung angefertigt
Als Erben werden aufgezählt:
   1. die Witwe Eva Catharina geb. Preuninger
Geschwister
   2. Michael Carle, Ausdinger in Baumerlenbach
   3. Christina ledig vollj. hier
   4. Margaretha ledig vollj. hier
  weiter meldet sich als Erbe
Martin Krockenberger, Weber in Möglingen

Die Geschwister verzichten zugusten der Witwe auf ihr Erbe.
"Letztere tritt die Erbschaft, da ihr Mann früher vergantet worden ist, nicht an, will aber sämtliche seit dem Gante ihres Mannes contrahirten Schulden übernehmen, macht sich aber für diejenigen Schulden, welche in dem früheren Gante nicht befriedigt worden sind, nicht verbindlich. Eine Obsignation wurde vorgenommen."
Unten ist das Obsignations Protokoll.
Obsignation Protokoll
Verhandelt den 23.Febr. 1862
In Gegenwart des Schultheiß Lay des Waisen... Mugele
Dem Schultheißenamt wurde heute Mittag um 12 Uhr die Anzeige gemacht daß der hies. Bürger Leonhardt Carle heute Vormittag an einer Lungenentzündung gestorben sei.
Da gleichzeitig keine erzeugten Kinder aus dieser Ehe vorhanden und die weitere Intestaterben Theilweise abwesend sind so hielt das Waisengericht eine Vornahme der Obsignation für gebotten.
Er begab sich also daher zu diesem Behufe die Eingangs erwähnte Deputation diesen Nachmittag 3.Uhr in die Wohnung des verstorbenen.

Die Bekannten Intestanterben sind
   1. Die Witwe
   2. Michael Carle von Baumerlenbach
   3. Christine Carle ledig volljährig
   4. Margaretha Carle ledig volljährig
   5. Die weiteren Erben sind Halbgeschwister,
von ersterem sind im Haus anwesend
Die Witwe und Christina und Margaretha Carle
Dieselben wurden zur Angabe des vorhandenen beweglichen Vermögens aufgefordert.
Baar Geld war nichts vorhanden
Die Kleider des verstorbenen ...
Die Witwe das man dieselben wegen
Feuchtigkeit der Schlafkammer nicht verschließen könne und gibt sie hiernach spezieler Befindung
an und
   1. Tuchene Kappe
   1. Halsbinde
   1. Manchester Weste
   1. wollener Kittel
   1. mellirter dito
   1. Tuchener Überrok
   1. Mantel
   1. Paar wollenen und mellirte Hosen
   2. Paar Stiefel
   3. Paar Soken
   1. Paar Unterhosen
   4. Hempten
In der Bühne befindet sich ein Schrein worin zwei Bettüberzüge und einige Hauben von der Witwe sich vorfanden. Neben dasselbe befinden sich 2.Truhen worin sich in der einen 4. S.. Gersten und in der andern 1 Scheffel Dinkel vorfanden.

In dem Schlafzimmer und in einer Dachkammer wurden vorgefunden 2 einschläfriges und ½ einschläfriges Bett.
Getränke ist keins vorhanden
Im Wohnzimmer befindet sich
  Ein Lehnsessel
  3 Stühl
  1 Bettlade
  1 Tri...
  1 Tisch
In der Scheune Heu etwa 15 .. und ca. 50 Stroh
Im Stalle befinden sich 2 Kühe
All vorstehendes wurde nicht unter Siegel gelegt.
Der gesammte Nachlaß wurde den Anwesend hinterbliebenen zur besondern Verwahrung und Aufbewahrung übergeben und sie dafür verantwortlich gemacht das alles in Ordnung erhalten und nichts entwendet werde.
Aus Veranlassung der Absikanation hat die Deputation auch nachgesehen ob nicht etwa eine lezte Willensverordnung des verstorbenen vorhanden sei, es hat sich aber nichts vorgefunden,
auch hat die Witwe erklärt dass ihr nichts von einem lezten Willen ihres Gatten bekannt sei.

Vorstehende Verhandlung
Beurkundet
Schultheiß Lay Die Witwe und die
Waisenrichter Mugele weiteren Erben


Nach dem Tod von Christine Catharina Carle in Michelbach aW - 1866 Bei der Realtheilung meldete der ledige Chrstian Carle in Verrenberg Ansprüche aus dem Gant ihres Mannes an.


 

Quellennachweis.

Bitzfelder Kirchenbücher (Mikrofilm KB 1503 Band 25 und 26)
Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Ortsarchiv Verrenberg: Schultheißenamt Protokoll
Ortsarchiv Verrenberg: Verzeichnis aktiver Bürger ab 1828
Ortsarchiv Verrenberg: A 331 Nr 314 Realteilung Leonhard Carle, 1862
Ortsarchiv Verrenberg: A 314 Nr 141 Beibringinventar Leonhard Carle, 1846
Ortsarchiv Verrenberg: A 330 Nr 309 Abnährung Marg Carle 1862
Hohenloher Kreisarchiv: Der Hohenloher Bote 1851
Kreisarchiv Neuenstein: Der Hohenloher Bote 1862
Schwäbischer Merkur. 1852