Verrenberg HistorischSteinbruch in Verrenberg


Im Vorwort zum Verrenberger Güterbuch von 1858 findet sich folgendes:
VIII. Stein- und Gyps Brüche 4/8 Morgen


Muschelkalk Sandstein Gips


 
 

Muschelkalk

Einen Muschelkalksteinbruch gab es zu keiner Zeit auf der Verrenberger Markung.
Das u.a. zur Ausbesserung der Wege notwendige Material wurde in Bitzfeld bzw. Weißlensburg beschafft.
Im 18.Jahrhundert wurde einer der drei Bitzfelder Steinbrüche von der Verrenberger Gemeinde bewirtschaftet. Dies ergibt sich aus einem Eintrag in den Bitzfeldern Gemeinderatsprotokollen.
In der Beschreibung des Oberamts Weinsberg steht dazu:
"Auf dem rechten und linken Ufer der Brettach zwischen Bitzfeld und Weislensburg sind 3 Steinbrüche. Der auf dem rechten Ufer gehört der Gemeinde Verrenberg, Fil. von Bitzfeld (O.A. Öhringen). Von den 2 auf dem linken Ufer gehört einer der Gemeinde Bitzfeld, einer einem Privatmann. Sie enthalten Kalksteine zum Chausseebau."
Unklar ist, wann und warum dieser wieder verkauft wurde.
1831 findet sich folgender Eintrag in den Gemeinderatsprotokollen:
Hätte die Common Vörrenberg 2.Ruthen Stainpruch erkauft von Küfermeister Conrad in Bitzfeld vor 16f. sage Zehn sechs Gulden und mit folchender Bedingniß und mußte in 2. Jahr aufgebrochen werden und von 1831 bis 1833 auf Jacobi mußte ausgeprochen sein.
Zu diesem Zeitpunkte musste als bereits der Muschelkalk erkauft werden. Übrigens 1 Ruthe entspricht etwa 286,5cm.

 
 

Sandstein

Während Muschelkalksteine aus den Steinbrüchen in Bizfeld und Weißlensburg herbei geschafft werden mussten, gab es im Ort einen Sandsteinbruch.
Dieser Sandstein wurde sowohl zum Haus-, als auch zum Straßenbau verwendet.




Links: Lage des Steinbruchs auf der Creutzfelder Karte von um 1670
Mitte: Lage des Steinbruchs auf einer Karte von 1818
Rechts: Lage des Steinbruchs auf einer Karte von 1858

1747 wurde die Bitzfelder Kirche renoviert und vergrößert. Die dabei verwendeten Sandsteine stammten aus dem Verrenberger Sandsteinbruch im "Lindenholz".
Der Verrenberger Schultheiß Grabert und Balthes Specht erhielten für 1 Wagen 3cr.



So wurde z.B. für das Haus Nr.34 mündlich überliefet, dass der dort verwendete Sandstein aus dem Verrenberger Steinbruch stammt.

Im Primärkataster von 1839 ist der Steinbruch im Flurstück 588 verzeichnet.
Als Eigentümer war damals Georg Peter Ilg eingetragen.
Karte des Steinbruch in Verrenberg 1833



Der Weg nach Bretzfeld soll hergerichtet werden - 1859
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom 05.August 1859 findet sich folgendes:
Der fizinal Weg außerhalb des Obren Dorfes von hier aus gegen Brezfeld befindet sich zum Befahren bei ungünstiger Witterung oft sehr schlecht.
Hierüber hat man die Bürgerlichen Collegien zur Berathung Behufs zur Verbesserung des genannten Wegs aufgefordert um zu erklären wie und auf welche Weiße die Verbesserung geschehen soll.
Es haben daher nach längerer Berathung die Collegien einstimmig
Beschlossen
Diesen Weg von dem Ortswegmeister an im obern Dorf biß an die Brechhütte Caußemäsig herzustellen und zwar auf die Art.
Die Grund dieser Causierung soll von Sandsteinen welche von dem Steinbruch Lindelberg gut beizubringen sind genommen und später hin mit min einem Beschlag von Heuchelsteinen überworfen werden.
Was die Beifuhr des materials betrifft so soll vorerst 1.Ruth aufgeführt die Steine eingelegt und nach diesem was diese Ruthe erfodert der Ruthen nach im öffentlichen Abstrich verakodoert werden. Das was die Handarbeit betrifft, so soll ein Mann welcher die Sache ganz gut besorgen hat aufgestellt und im angemeßenen Taglohn festgesezt werden der betreffende hat aber ebenfalls mitzuarbeiten und die Taglöhner zum Geschäft fleißig anzuhalten auch das Material nach Besten zu verwenden suchen.
In Vorschlag wirde gebracht
Georg Schanzenbach von hier demselben wurde ein Lohn pro Tag ausgesezt zu 38x.


Zum Bau des Verrenberger Durchlasses durch die Bahnlinie wurden Sandsteine dieses Sandsteinbruches verwendet.

Christoph Gebhard hat Streit wegen eines Steinbruches - 1874
Im "Schultheißen-Amts Protokoll" findet sich am 25.September 1874 folgendes:
Streitsache des Christoph Gebhard hier Kläger
gegen
Carl Haynle hier Forderung von einem gemeinschaftl. Steinbruch eingenommenen Beträge für Steine 20fl. betreffend. Wurde der Kläger da ein Vergleich nicht zu stande kam und der Betrag die Compedenz des Gemeinderaths übersteigt auf den Rechtsweg an das K. OberamtsGericht verwiesen

  1879 hatte dann Michael Schmelzle das Flurstück 588.
  Er trennte den Steinbruch ab und verkaufte diesen als Flurstück 588/1
an Christian Schumm, Bildhauer in Bitzfeld.

1880 wird Johann Spengler als Besitzer des Steinbruches genannt.

Der Verrenberger Steinbruch soll von der Gemeinde gekauft werden - 1902
Im Verrenberger Gemeinderatsprotokoll vom Januar 1902 findet sich folgendes:
Gemeinderat Frank bringt zur Sprache, daß der auf hiesiger Markung gelegene Steinbruch der Witwe Scheu von Bitzfeld Parz N. 588 3a 97qm Steinbruch im Lindenhölzle verkäuflich sei und wenn billig erwerben werden könne, er schlage vor diesen Steinbruch für die Gemeinde zu erwerben.
Beschluß
Die Herren Schultheiß Bort, Gemeindepfleger Mezger und Bürgerausschußobman Schenk zu beauftragen, mit der Witwe Scheu in Bitzfeld bezügl. dieses Steinbruchs in käufliche Unterhandlung zu treten und diese Herren hiemit Vollmacht zu diesem Kauf zu erteilen, jedoch sich die Genehmigung des Kaufs vorzubehalten
Unklar ist noch, ob der Kauf zustande kam.

 
 

Gips


Im Messbuch der Vermessung von 1818 findet sich noch kein Hinweis auf einen Gipsbruch!
die Flurstücke, auf denen sich später Hinweise finden, sind (Nummerierung von 1818:
   - 731 Graßplatz Holderkling (es gibt einen Nachtrag: Erd......, das Flurstück gehörte zum Hof Nr. 29)
   - 732 Graßplatz Holderkling (as Flurstück gehörte zum Hof Nr. 16)
   - 733 Graßplatz Holderkling (as Flurstück gehörte Georg Borts Wittwe
   - 734 Graßplatz Holderkling (as Flurstück gehörte zum Hof Nr. 18)

Es fällt auf, dass diese vier Flurstücke als "Graßplatz" inmitten von Weinbergen bezeichnet werden. War der Boden nicht geeignet?
   Bei der Urvermessung von 1839 wurden diese Flurstücke zur neuen Nr. 989 zusammen gefasst.
   - 771 im Gaumenstock (as Flurstück gehörte zum Hof Nr. 22)    Bei der Urvermessung von 1839 wurden ein Teil dieses Flurstückes zur neuen Nr. 990.

Lage des späteren Gipsbruch in der Karte von 1818.
Flur Holderkline

Lage des Gipsbruch auf einem Bild, das die
Karte von 1839 und ein Luftbild kombiniert


In den Unterlagen der Vermessung zum Urkataster von 1839 wird Peter Babel aus Bitzfeld als Besitzer genannt von:
     Flst.Nr.: 989 => "Gipsbruch"
     Flst.Nr.: 990 => "Schuttplatz mit Bäumen"
Wann hatte er die Flurstücke gekauft und den Gipsbruch begonnen?

Auszug aus dem Primärkataster zu den Parzellen 989 und 990

Messurkunde von 1854-55 zur Parzelle 989

Urnummernkarte von 1833 u.a. mit den Parzellen 989 und 990.


Im "Deutschen Merkur" erschien im September 1846 dieses Verkaufsangebot des Peter Babel einer Mahl-, Oel-, Gips-, Hanfreib- und Sägmühle in Bitzfeld samt Güter.
Dazu gehört ein unterirdischer Gipsbruch auf Verrenberger Markung "mit einem reichhaltigen unerschöpflichen Lager, das bisher den Bedarf von jährlichen 12-15.000 Simri lieferte ..." .
Wenn man 1 Simri zu je 22 Liter rechnet ergeben sich ein jährlicher Gipsabbau von 264qm bis 330qm pro Jahr.


Im Bitzfelder Heimatbuch wird auf der Seite 277 vom erneuten Verkauf der oben erwähnten Mühle berichtet. Im März 1856 verkaufte Philipp Hottmann (er soll aus Verrenberg stammen), die Mühle an den Ellhofener Christian Dertinger.
Darin enthalten auch der Gipsbruch in Verrenberg.

In dem "Württembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde von 1870" findet sich folgendes:
"... auch befindet sich am vordern westlichen Theile des Berges eine Gypsgrube, die jedoch neuerlich nicht mehr betrieben wird."



Herr Fritz Hofmann erzählt, dass sein Vater August Richard Hofmann und andere Verrenberger seiner Generation davon berichtet haben, als Kinder in einem Hohlraum gespielt zu haben, in dem früher Gips abgebaut wurde.
Der Eingang soll ca. 1,5 m hoch und 2,0 m breit gewesen sein und in einen Hohlraum geführt haben.
Frau Erna Rieble berichtet, dass vor der Flurbereinigung in ihrem Weinberg "Im Schwärzle" eine große "Mulde" vorhanden war. Ist hier vor längerer Zeit der Hohlraum eingebrochen, der durch den Gipsabbau entstanden war?
Herr Fritz Hofmann hat auch berichtet, dass im Bereich des Haus Nr.5 der Gips gebrannt wurde.




Auf der Suche nach der Geologie Verrenbergs, gab es u.a. den folgenden E-Mail Verkehr mit dem Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9 - Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Referat 96 und 97.

Referat 96: E-Mail vom 24.3.2022
"... seitens der Landesrohstoffgeologie im Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg liegen uns keine Hinweise auf ein Gipsbergwerk in Verrenberg vor.
Aufgrund der Geologie ist es jedoch nicht auszuschließen, das Gipsstein oder gipshaltige Gesteine gewonnen wurden.
Der Verrenberg, nordöstlich der Ortschaft, setzt sich aus bunten dolomitischen Ton- und Mergelsteinen zusammen (grüne Flächen mit der Kennung kmGR auf der Karte). Im unteren Bereich dieser Abfolge können Gipsstein z. T. Anhydritstein auftreten, daher wird dieser Gesteinsabschnitt auch als Gipskeuper bezeichnet. Ob der nach Ihrem Zeitungsartikel bauwürdige Gipsstein als Schicht oder z. B. als Gipsknollen im Tonstein vorkommt, kann ich Ihnen mit den mir vorliegenden Informationen leider nicht sagen.
"

Auf der Karte wurde der Bereich markiert, der in der mündlichen Überlieferung genannt wurde.



Referat 97: E-Mail vom 24.3.2022
"Im Archiv des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg - Abteilung Landesbergdirektion - sind keine Aktenunterlagen zum historischen Gipsabbau in Verrenberg vorhanden.
Die Akten und Kartenunterlagen im Archiv des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg - Abteilung Landesbergdirektion, reichen nur bis ca. 1890 zurück. Ältere Unterlagen sind i.d.R. hier nicht vorhanden.
"


 

Quellennachweis.

Ortsarchiv Verrenberg: Gemeinderatsprotokolle
Landratsamt Hohenlohekreis, Vermessungsamt Meßurkundenband 1878/79 Seite 228 und 229
Buch "750 Jahre Bitzfeld" von Hans Jörg und Rosemarie Grieb
Ortsarchiv Verrenberg: Schultheißen-Amt Protokoll
Buch: "750 Jahre Bitzfeld Ein Dorf an der Grenze" von Hans Jörg und Rosemarie Grieb (Seite 322)
Deutscher Merkur 1846
Mündliche Überlieferung, Fritz Hofmann
Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9 - Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Referat 97 - Landesbergdirektion: E-Mail vom 24.03.2022
Regierungspräsidium Freiburg, Abt. 9 - Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Referat 96 - Landesrohstoffgeologie: E-Mail vom 24.03.2022