Verrenberg Historisch

Haus Nr. 59 in Verrenberg (Reblandstraße 1)


Aufnahme 2015

Aufnahme 2017

Aufnahme 1962

Aufnahme 1926

Skizze aus dem Bauplan 1874
Kartenausschnitt aus Katasterkarte 1818; Haus Nr. 59
Karte von 1818
Kartenausschnitt aus Karte von 1839; Haus Nr. 59
Urkataster von 1839

Lage des Haus im Ort
   360 Grad Rundumblick am Haus Nr.59. [Juni 2021]
   360 Grad Rundumblick am Haus Nr.59. [Juni 2021]



Bauliche Entwicklung

Im Gült- und Lagerbuch von 1628 ("Steuerliste" S.618) heist es:
"Gibt von einem Häuslein, darauff ..."

Im Gült- und Lagerbuch von 1684 ("Steuerliste" S.28) heist es:
"Ein altes Häußlein, Scheuerlein ..."

Im Gült- und Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.236) heist es:
"Ein Neues Hauß und Scheuren an einander gebauet ..."
Es dürfte also kurz vor 1740 erbaut worden sein.

Von 1818 bis 1833 wurde ein Schweinestall, ein Backofen und ein Anbau zur Scheune errichtet.


In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1869 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dürfte der württembergische Fuss mit 28,65cm gemeint sein. Das vierte Maß in der dritten Spalte ist vermutlich die Höhe des Daches)
Name Beschreibung des Gebäudes Von der Versicherung ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Classe Umlage Capital Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen als unzer- störbar wegen des Anspruchs auf Baubeiträge
heizbare Zimmer gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Friedrich Spengler Ein einstockiges Wohnhaus mit Scheuer unter einem Dach von Fachwerk mit Giebeldach nebst einer angebauten einstockigen Remise von Fachwerk mit Pultdach 40'
27,3'
9,5'(Haus)
13'(Scheuer)
15'

10,5'
7'
6'
6'
1.   1 1 1 2 geb. Keller (1)
1 Tenne
1 Schweinestall

1 Remise
Ziegel der östl. Giebel Stein sonst gem. Fachwerk

gem. Fachwerk
  Fundament Keller u. Sockelmauern --- 650

50
IV 812.30

62,30
alter Anschlag 200f./--
(1861)
(1) geb. Keller => geb[ühnter] Keller => ein Keller ohne Gewölbe, also mit Balkendecke


1874 erweiterte Georg Anton Michael Spengler die Scheune.



1875-76 wurde das Wohnhaus zweistockig. Das Haus und Scheune wurden aufgestockt, bzw. vergrößert.
Im Staatsarchiv Ludwigsburg findet sich in "F 192 III Bü 3759" auf Bild 12 die Aussage: "Spengler hat die Wohnung in dem Neubau im Monat Juli 1877 bezogen, daneben hat er aber in den Monaten August und Septbr 77 noch an der Scheuer als Riegelhalter zugewendet das Dach eingedeckt, fortgebaut, bis zum jetzigen Stand.
Es ist somit anzunehmen, daß die Wohnung seit Juli und die Scheune seit Septbr 1877 benützt wird.
"



Skizze des Hof Nr 59 in Verrenberg 1896 Skizze des Hof Nr 59 in Verrenberg 1896
In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zum Haus
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
Rüger Heinrich, Bauer 2 stockiges Wohnhaus an der Bitzfelder Straße von gem Bauart unter Giebeldach 5.90
7.90
Sout 2.00
Erdg 2.40
Dach 3.80
1 I.Stock   1 I.Stock
1 Dachboden
1 I.Stock 1 Viehstall u 1 Futtergang Dachplatten Erdgeschoß von Stein sonst von ausgem Fachwerk Backofen ohne Kamin, der Rauch zieht offen durch die Küche zum Kamin des Herds Fundamente v einhäupliger Gemäuer im Erdgeschoß, sowie der Stein Bodenbelag im Stall 1520     Alter ca. 150 Jahre Unterhaltung mittelmäßig. Unter neb Anschlag von 1520M inbegriffen ist:
1 Backofen mit Schweinestall, ausgen die Fundamente Anschlag 200M
1 stein Vortreppe mit eis Geländer ausgenommen die Fundamente Anschlag 60M

In diesem Eintrag im Schätzungsprotokoll von 1896 sieht man einige Details zur Scheune
(Als Maß dient der Meter.)
Name Beschreibung des Gebäudes Ausgenommene Bestandtheile Versicher- ungs- anschlag Mark Klasse Umlage Kapital Mark Bemerkungen
Lage; Bestimmung; Bauart; Zahl der Stockwerke Länge, Breite, Höhe in Metern Gelaße Dachdeckung Umfassungs- und Giebelwände Feuergefährliche Einrichtungen und Klassenbegründung
heizbare Zimmer unheizb. Zimmer u gegypste Kammern gewöhnliche Kammern Küchen Stallungen sonstige Gelaße
derselbe 1 stockiger Scheuer unter gleichem Dach ohne eigene Wand angebaut 9.80
7.90
3.80
Dach 3.80
    1     1 Tenne
2 Bare mit
gew Keller
Dachplatten ausgem Fachwerk; zusammenhang mit dem Wohnhaus der gewölbte Keller u die Mauern unter Tenneboden Ebene 1320      

Am 11.03.1958 wurde die Baugenehmigungsurkunde für den Abbruch und Wiederaufbau des Wohnhauses genehmigt.
Der vorhandene gewölbte Keller wurde dabei erhalten, musste aber bei einem späteren Umbau aufgegeben werden.




Die Bewohner

Im Gült- und Lagerbuch von 1628 ("Steuerliste" S.618) wird Martin Waibler der jung als Besitzer genannt.
In einem undatierten Nachtrag ist Endriß [Andreas] Beyerbach als nächster Eigentümer eingetragen.

Im Gült- und Lagerbuch von 1684 ("Steuerliste" S.34a) wird sein Schwiegersohn Hannß Michel Geyger als Eigentümer genannt.

Im Gült- und Lagerbuch von 1740 ("Steuerliste" S.236) wird dann sein Schwiegersohn Lorenz Braun als Eigentümer genannt. Vermutlich verkaufte er das Gut an seinen Sohn Johann Joseph Braun.
Wiederum dessen Sohn Johann Friedrich Braun wird in einem Nachtrag von 1800 als Eigner genannt.


Gründung der Schäfereigesellschaft in Verrenberg - 1801
Mit dem Kauf der Schäfereigerechtsame des herrschaftlichen Hofs Schwöllbronn durch die Gemeinden Schwöllbronn, Unterohrn und Verrenberg, kam es in Verrenberg zur Gründung der Schäfereigesellschaft.
Verrenberg hatte 120 Schafe erkauft, die aufgeteilt in drei Klassen auf 70 Verrenberger aufgeteilt wurden.
Johann Friedrich Braun war in der II.Klasse. Damit konnte er 2 der 120 erkauften Antheile in Anspruch nehmen. Dazu kam ein Beischlag von 3 Schafen. Damit konnte er 5 Schafe halten.
Diese Schäferei Anteile sollte ursprünglich auf Hof und Gut gebunden sein. Das wäre in seinem Fall das Haus Nr.59.
Diese Bindung wurde aber im Laufe der Jahre nicht mehr beachtet, so dass der Verkauf der Schäferei Anteile unabhängig der Liegenschaften erfolgte.


Im Messbuch von 1818 wird Johann Friedrich Braun als Besitzer genannt.

Im November 1823 gibt es einen "seltsamen Hoftausch"!
Schritt 1 Johann Friedrich Braun (Haus Nr.59) und Johann Georg Wieland (Haus Nr.57) tauschen ihre Höfe. Johann Friedrich Braun muss zu dem Tausch noch 226fl. an Johann Georg Wieland bezahlen.
Schritt 2 Johann Georg Wieland tauscht sein von Johann Friedrich Braun (in Schritt 1) eingetauschten Hof Nr.59 mit Christoph Braun (Haus Nr.5).
Christoph Braun muss zusätzlich 105fl. an Johann Georg Wieland bezahlen.
Hier der Versuch einer Zusammenfassung nach dem Tausch:
Johann Friedrich Braun: Ursprünglich Hof Nr.59. Er war nun auf dem ehemaligen Hof (Haus Nr.57) von Johann Georg Wieland und um 226fl ärmer. Er hat nun den "wertvollsten" der drei Höfe.

Johann Georg Wieland: Ursprünglich Hof Nr.57 .Er war nun auf dem ehemaligen Hof (Haus 5 von Christoph Braun und um 331fl reicher. Er hat nun den "kleinsten" der drei Höfe.

Christoph Braun: Ursprünglich Hof Nr.5 .Er war nun auf dem ehemaligen Hof (Haus Nr.59) von Johann Friedrich Braun und um 105fl. ärmer.



Bei der Erstellung des Urkatasters 1839 wurde als Eigentümer Christoph Braun genannt.
1851 heiratete Georg Anton Michael Spengler die Witwe des Christoph Braun.


Tierbestand auf diesem Hof laut Viehzählung von 1858
Namen der Eigenthümer Haus/Hof Rindvieh Schafe Schweine Ziegen Bienen Gänße Enten Hühner Pferde
Spengler Anton Nr.59 2.             4.  

Am 15.02.1863 kaufte der Sohn Christian Friedrich Johann Spengler den gesamte Liegenschaft aus Anlass seiner Heirat mit seiner Stiefschwester Barbara Braun um 1400fl..
Darin enthalten:
Ein 1.stokiges Wohnhaus mit Stall und gedrehmten Keller samt Schweinestall südlich, Backofen westlich und Scheuer unter einem Dach.
Neben diversem Geschirr und Fässern werden auch 2 Weinbutten, 1 Erdenbutten, 2 Kühe, 1 Keuzling und 5 Hühner genannt.
"Verkäufer behalten sich die Stubenkammer zur Liegenstadt und bei Kalt und Warm ihn der Wohnstube ohne Beitrag zur Anschaffung von Holz ungehindert mit zu geniessen bevor,
überdies haben Verkäufer das Recht ihre Efekten in der Dachkammer auch zu bewohnen, das gleiche auch den nöthigen Platz im Keller zur Aufbewahrung derjenigen Gegenstände was in Keller gehört zu benüzen.
"
Weiter wird das leibgeding im Detail geregelt.


Aus dieser Ehe ging die Tochter Katharina Spengler hervor, die 1893 Heinrich Friedrich Rüger heiratet.
Um 1947 ging der Hof dann auf den Sohn Wilhelm Rüger über.
Heute wohnt hier die Familie Hobl.


Vermessungen


Gült- und Lagerbuch 1628

Gült- und Lagerbuch 1684

Gült- und Lagerbuch 1740

Messbuch 1818

Urkataster 1839

Nachtrag zum Primärkataster, 1873-74

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1873-74; Haus 59 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1873-74; Haus 59

Nachtrag zum Primärkataster, 1875-76

Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1875-76; Haus 59 Nachtrag zum Primärkataster Verrenberg , 1875-76; Haus 59
 

Quellennachweis.

Vermessungsamt Künzelsau: Primärkataster 1833
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 89 (1716) 1740-1800
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 79 1684
Hohenloher Zentralarchiv Nst: Ba 55 / Bd 75 1628
Ortsarchiv Verrenberg: Kaufbücher
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1896
Ortsarchiv Verrenberg: Feuerversicherungsbuch von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Schätzungsprotokoll von 1869
Ortsarchiv Verrenberg: Messbuch von 1818
Ortsarchiv Verrenberg: B 56 Beilagen zum Gemeindegüterbuch Band II: Schäfereiwesen 1801-1858
Ortsarchiv Verrenberg: A 117 Geb Nr 59
Staatsarchiv Ludwigsburg, F 192 III Bü 3925