Verrenberg HistorischDie alte Linde und dabei liegende Kegelbahn in Verrenberg





Im Bild "Die Linde" mit dem alten Lindenbaum links davon

Bis 1955 stand neben dem Gasthaus "Linde" eine alte, mächtige Linde, die namensgebend für das Gasthaus wurde.

Hier soll versucht werden, ihre Geschichte und allerlei Geschichten drum herum zu erzählen.


Im Bild "Die Linde" mit dem neuen Lindenbaum rechts davor


Da es keine direkte Überlieferung über den Ursprung der Linde gibt, lohnt sich ein Blick in das Vorwort des Gemeindegüterbuch von 1858. Dort steht unter dem Punkt "Merkwürdiges" das folgende:
"13. Merkwürdigkeiten
An solchen ist eines schönen großen Lindenbaums zu erwähnen, welcher Oben im Dorf, an der Straße, auf einem früher der Gemeinde gehörigen, im Jahr 1837/38 aber gegen den jezigen Schulhausbauplaz an den Bauern Franz Atz vertauschten freyen Platz steht, und von welchem das daneben stehende Gasthaus zur Linde seinen Namen entlehnt hat.
Derselbe soll, wie man sich hier erzählt, vor ungefähr 200 Jahren durch einen Ortsangehörigen, welcher solchen aus dem Erlenbacher Wald geholt hat, gesezt worden seyn.
Eine besondere Veranlassung hiezu ist nicht bekannt, wahrscheinlich war es eine Nachahmung der großen Linde zu Neuenstadt am Kocher, wie dies in andern Orten der Umgegend der Fall ist.
"

[Anmerkung Autor: Bei der Angabe des Bauern Franz Atz ist dem Autor vermutlich ein Fehler unterlaufen. dieser kaufte u.a. dieses Flurstück 1854 von seinem Großvater Wilhelm Franz Happold, der 1837/38 den fraglichen Hof Nr.22 im Besitz hatte.]
Die Linde wird also bei der Erstellung des Güterbuches 1858 mit einem Alter von ungefähr 200 Jahren angegeben => ~ 1658. Damit kommen wir zeitlich in den Bereich des Endes des 30jährigen Krieges (1618-48).
Wenn auch der Autor 1858 einen Bezug zur schon damals alten Linde in Neuenstadt am Kocher sieht, so drängt doch der Zeitpunkt der Planzung nach dem 30jährigen Krieg den Gedanken auf, dass es sich um eine "Friedenslinde" handelte. Diese sind in vielen anderen Orten nachgewiesen.

Ist die Linde auf der Zeichnung des Pfedelbacher Maler Creutzfelder um 1670 zu sehen? Vermutlich war er da aber noch zu unbedeutend, als dass er ihn bewusst eingezeichnet hätte. Verrenberg um 1670

Im Urkataster von 1839 sieht man die Linde
auf Gemeindegrund neben dem Platz, auf dem
später das Gasthaus Linde (Haus Nr.69)
entstanden ist. Sie dürfte da schon
ca. 190 Jahre alt gewesen sein.
  Im Jahr 1837/38 gab der Bauer Franz Atz
etwas Grund und Boden ab, damit darauf
das Wohnhaus des Lehrers (Blau) gebaut
werden konnte. Links in Orange das Rathaus.

Im Gegenzug bekam er den bis dahin
öffentlichen Grund rund um die Linde (Grün).
Warum wollte er diese Fläche?

Nach dem Tod von Gottlieb Atz 1851 wurde das Gut von den Erben verkauft.
In dieser Anzeige im Hohenloher Bote von 23.06.1851 wird eine Kegelbahn erwähnt.
Ist das die Bahn bei der Linde, oder eine andere?



Am 20.06.1854 verkaufte
Wilhelm Franz Happold
seinen ganzen Besitz an seinen
Enkel Christian Franz Atz.
  Im Ruggericht 1855 steht folgendes:
Neben dem Lindenwirth, aber
"nicht zu diesem gehörig, befindet sich eine
offene Kegelbahn, hart an der Hauptstraße
des Orts und sogar mit dem Ende der Kegelbahn
gegen die Straße gerichtet, was ganz polizeiwidrig
ist. Das Schultheißenamt darf daher den Gebrauch
dieser Kegelbahn durchaus nicht mehr zulassen.
"

Da die Kegelbahn erstmals im Ruggericht von 1855 genannt wird, ist zu vermuten, dass diese von Christian Franz Atz gebaut wurde.

Auf dieser ist die Kegelbahn auf dem
Flurstück127/1 (roter Pfeil) zu sehen.
Darüber die alte Linde,
links davon das neu erbaute
Haus Nr.69 der
Witwe des Lindenwirth Johann Ludwig Carle
  Nach dem Tod der Franz Atz'schen Eheleute kam deren kompletter Besitz am 31.03.1862 in einer öffentlichen
Versteigerung zum Verkauf. Die Kegelbahn wird nicht erwähnt.
Darunter war auch das besagte Flurstück 127/1, auf dem die alte Linde stand.
Käufer war der Lindenwirth Carle. Allerdings scheint es Probleme gegeben zu haben. Es gab am 13.02.1863 einen Gerichtstermin. Details dazu unten.

Gerichtstermin am 13.02.1863
Das Flurstück 127/1 mit der alten Linde kommt "endlich" zum Gasthaus Linde.


1866 gab es dann wieder eine Kegelbahn im Ort. Diesmal aber im Gasthaus Rose.



Am Pfingstsonntag 1955 schlägt ein Blitz in den Lindenbaum und zerstört ihn. Er dürfte um die 300 Jahre alt gewesen sein.

1963 wurde eine neue Linde gepflanzt

 

Quellennachweis.

Kornwestheim: Sign. GBZA_HBN 32 A 013.584.650 Gueterbuch Bd. 1_Vorwort
Kreisarchiv Neuenstein: Der Hohenloher Bote; 1866
Ortsarchiv Verrenberg: B 72 Kaufbuch Bd 8 1854-1858
Ortsarchiv Verrenberg: B 74 Kaufbuch Bd 10 1861-1864
Ortsarchiv Verrenberg: B 2 Ruggerichtsrezessbuch 1833-1888